Erziehung und Training

Von “Bitte Bitte” zu Bring – Apportieren mal anders.

Das Lieblings Kommando eines jeden Hundebesitzers ist und bleibt wohl „Bring“. Es gibt kaum was Schöneres, als mit seinem Hund auf einer Wiese zu stehen Stöckchen (natürlich auch Ball, Frisbee oder alte Sandale) zu werfen und die gemeinsame Spielzeit zu genießen. Der kleine Schatz rast wie wild geworden dem Spielie hinterher und legt waghalsige Sprünge, Vollbremsungen und Manöver hin, um möglichst schnell das tolle Ding zu bekommen. Anschließend rennt er mit einem doofen Grinsen, wedelnden Schwanz und sabberigen Spielzeug in der Schnauze zu dir zurück. Du nimmst das schnodderige Ding freudig (mit ein bisschen „Bäh“-Faktor) entgegen und es kann weiter gehen.

Vorausgesetzt dein Hund kennt das Spiel schon und bringt das Spielzeug dann auch wieder zurück.

 

 

Leider sieht das am Anfang nicht immer so elegant wie in den tollen YouTube Videos aus. Die meisten Hundebesitzer, die ich kennenlernen durfte, erzählten mir Geschichten in denen sie selbst den Ball holen mussten oder ihren Hund, der wie ein Derwisch mit dem Spielie im Maul um sie herum rannte, versuchten einzufangen. Nur um doch endlich weiter spielen zu können.

 

Die Vorstellung, die wir sicherlich alle haben, ist eine ganz einfache:

Dein Hund steht voll freudiger Erwartung vor dir und tippelt schon nervös mit den Füßen. Du zwitscherst noch ein paar liebe Worte: „Na möchtest du den Ball Mausi?“ Und los geht’s. Der Ball fliegt soweit du ihn werfen könntest und dein „Mausi“ legt plötzlich ein Tempo an den Tag, wie man es sonst nur sieht, wenn der Postbote zu lange am Gartentürchen stehen geblieben ist. Dein Liebling bremst das die Grasbüschel fliegen, schnappt sich gerade rechtzeitig den Ball und schlägt einen Hacken um schnell die Kurve zurück zu dir zu schaffen. Du rufst: „Bring!“ Fast stolpernd und mit dem Popo bremsend kommt dein Schatz vor dir zum Stillstand und setzt sich, mit Ball in der Schnauze, vor dich hin. Der ganze Hund wackelt beim Wedeln, Sabber klebt an seiner Nase und dem Ball und dein kleines Monster grinst wie ein Kind auf dem Weihnachtsmarkt, mit dem größten Lebkuchen, den die Welt je gesehen hat. Du streckst deine Hand aus und bekommst das schnodderige Spielie in die Hand gelegt. Vielleicht sagst du noch ein „Aus“ dazu, aber das ist unwichtig. Denn jetzt geht es weiter! Du putzt den Ball kurz an deiner, sowieso schmuddeligen „Dreckig-aber-geht-noch“ Jeans ab und setzt zum nächsten Wurf an. […]

 

Die Realität sieht oft anders aus:

Schweißperlen auf der Stirn, Sabber an der Jacke, leerer Leckerliebeutel und Grasflecken auf der Hose; aber immer noch keinen Ball in der Hand.

Drohungen wie: „Bring mir den Ball, sonst gibt es nie wieder das letzte Stück Käse!“ Oder Flehen: „Bitte, bring Mami den Ball mein Schatz. Bitte bitte?“, sind keine Seltenheit. Während dessen stolziert dein Welpe mit dem Ball fort, legt sich ein Stück weiter ab und wirft, beim Kauen auf dem Ball, noch provokante Blicke in deine Richtung. Oder dein erwachsener Hund rast wie von der Tarantel gestochen, samt Ball, an dir vorbei. Immer nur soweit das du den Ball nicht bekommst und dein Monsterchen sich freut, wie lustig du fangen spielen kannst.

Was auch eine Variante sein kann: Dein Schnucki beeilt sich den Ball zu holen, kommt auch in deine Richtung, aber spuckt ihn dir dann wie eine Opfergabe vor die Füße. Einerseits bist du erfreut denn Ball gebracht zu kommen. Andererseits fragst du dich ob deine Krankenversicherung auch Behandlungen von Rückenproblemen aufgrund von zu häufigen Ball aufheben bezahlen würde.

 

 

 

Motivation und Vertrauen

 

Kein Hund dieser Welt bringt dir, ohne es vorher gelernt zu haben, freiwillig sein Spielzeug und gibt es so her.

 

Genau deswegen ist es wichtig, deinem Hund beizubringen dir zu vertrauen. Er sollte wissen, dass du ihm das tolle Ding auch wieder gibst, es wirfst oder etwas anderes spannendes mit ihm damit machst. Ansonsten lohnt es sich doch nicht, dir das Spielie zu bringen. 😉

Also gebe ich dir die erste Aufgabe auf: Immer wenn ihr beiden einen Zufallstreffer habt und dein Hund dir das Spielzeug „kampflos“ gibt, gibst du es ihm zurück. (Aber nicht emotionslos und ohne Spaß dabei, sondern mit viel Party und Konfetti!)

Sollte dein Hund sich als „Nicht der große Spielzeugfreak“ entpuppen, ist das kein Beinbruch. Sofern er das Spielie beachtet, damit spielt oder es trägt(Nicht vergessen, das aktive Objekt ist immer interessanter.), gibst du ihm eine andere Belohnung und feierst den mini Erfolg.

Am Anfang geht es nicht darum die Beute in die Hand gelegt zu bekommen, sondern nur darum das der Hund dir vertraut und das er motiviert ist, dir das Ding zu geben.

Beim Welpen geht das viel einfacher als beim erwachsenen Hund, aber schwer ist es bei keinem, nur mit viel Geduld verbunden. 😉

 

 

 

Schritt für Schritt zum „Bring“

Ich kann keinen Erfolg für euch versprechen, da viel von dir abhängt. Dein Schnuffel wird sich sicherlich Mühe geben. J

Gehe individuell auf deinen Hund ein, verpasse keinen Moment um richtig zu belohnen, bleibe geduldig und wie immer: Kurze, effektive und motivierte Trainingseinheiten sind der Schlüssel zum Erfolg.

 

Teil 1: Das richtige Spielzeug / die richtige Beute aussuchen.

Nicht jeder Hund, mag jedes Spielzeug. Das weiß jeder Hundebesitzer nur zu gut. In unserem Rudel habe ich das beste Beispiel dafür: Baldur hat, in folgender Reihenfolge, Lieblings Spielies: Ball, Frisbee, Stöckchen und Plüschtiere. (Beißwurst und Schutzarm brauche ich nicht zu erwähnen. :D) Ari mag Frisbees gar nicht und Spielt am liebsten mit Bällen. Phelan scheint eine Vorliebe für Frisbees und Bälle mit Schnur zu entwickeln, aber das entwickelt sich noch. (Das kleine Monster ist ja auch erst 6 Monate alt.)

Finde also heraus, was dein Hund am liebsten hat. Damit lässt es sich super üben.

 


 

Teil 2: Erste Versuche in ruhiger Umgebung.

Übt am Anfang Zuhause, im eigenen Garten oder auf einer ruhigen Wiese. Optimal ist es, neue Kommandos in Ruhe aufzuziehen und diese nur üben, wenn man Ruhe und Zeit hat. Scheint logisch oder?

 


 

Teil 3: „Trieb Arbeit“, Belohnung und Motivation.

Das mit dem Vertrauen hatten wir schon, jetzt geht es um die Motivation.

Beim „Bring“ ist die Belohnung, wie bei allen anderen Kommandos, superwichtig aber auch schwierig. Wie belohne ich, wenn ich das Spielzeug doch noch nicht bekommen habe? Na ja, belohne die kleinen Erfolge. So tasten du und dein Hund, euch Stück für Stück ran.

„Viel Trieb“ auf das Spielzeug damit dein Hund richtig Lust drauf hat, wäre für den Anfang ganz gut. Spiele mit dem Ball, mach das Spielie interessant und schnappe es deinem Hund immer wieder mal weg, mach das Ding super interessant. Natürlich nicht sodass dein Hund völlig durchdreht und nur noch riesige schwarze Knopfaugen hat, die nur noch nach Ball betteln. Oder er genervt das Spiel verlässt. Also: Nicht übertreiben.

Was eine gute Variante ist, um zu belohnen: Leckerli. (vorausgesetzt dein Hund ist mit Futter zu haben.) Falls du einen von der Sorte hast der nicht so super verfressen ist, hast du die Belohnung schlecht hin schon in der Hand. Tauschen zwischen zwei identischen Spielsachen um trotzdem belohnen zu können, funktioniert auch ganz wunderbar.

 


 

Teil 4: Mach dich, so richtig, zum Affen.

Es gibt sicherlich noch andere Möglichkeiten „Bring“ beizubringen, ich schlage dir diese beiden vor. Damit hatte ich bisher die besten Ergebnisse.

 

Erste Variante:

Ich nenne das auch gerne Trockenübung. Du setzt dich auf einen Stuhl, auf den Boden oder wo auch immer hin und hast zwei Dinge bei dir: Leckerli und das Spielzeug. Rufe deinen Schnuffel zu dir und lass ihn vor dich hinsitzen/stehen oder liegen (was euch lieber ist). Nun gibst du ihm das Spielzeug und lässt ihn das Ding halten, vielleicht auch ein bisschen mit dir spielen. (Lass es selbst nicht los, wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Schnuckel damit abhauen würde.) Kurz darauf beendest du das kurze Spiel und sagst deutlich „Aus“, sofern dein Hund das Kommando kann. Ansonsten beendest du das Spiel kurzer Hand und nimmst ihm freudig das Spielie weg und belohnst jedoch nicht dein „Aus“ sondern deutlich das „Bring“. Ergo: „Feiner Schatz, superklasse „Bring“!“, sprich das Kommando „Bring“ dabei überdeutlich mit langem Vokal aus und feier deinen Liebling dafür! Dann gleich das Spiel fortsetzen und das tolle Teil werfen oder damit Zieh-Spiel spielen. Die Übung bei dir sollte immer ruhig ablaufen und der Erfolg, dass dein Hund dir das Spielzeug gibt, unmittelbar belohnt werden.

 


 

Zweite Variante:

Das ist eher die mit Aktion. 🙂

Du spielst ausgiebig mit deinem Hund, wirfst das Spielzeug weg, jagst ihm ein bisschen hinter her und machst dich richtig zum Affen. So hat dein Hund am meisten Spaß mit dir und möchte ja unbedingt, dass das Spiel weiter geht. Wenn du das Gefühl hast, dein Hund ist richtig in Fahrt, entfernst du dich ein paar Schritte von ihm und rufst deinen Wirbelwind zu dir. Klatsch in die Hände, schnalze mit der Zunge und Pfeife, als gäbe es kein Morgen. Hier ist es nicht wichtig dass dein Hund das „Hier“ schön macht, sondern freudig zu dir stürmt. Ist das kleine Monster nach genug zu dir gekommen, dass du ihn erreichen könntest, sagst du „Bring“ und greifst nach dem Spielzeug. Hast du es in der Hand, wiederholst du das Wort und übst keinen Zug auf Spielzeug aus, bleibe dabei freudig und ruhig. Gib deinem Hund kurz die Möglichkeit, das Spielie freiwillig herzugeben. Sollte er vor dir wegrennen oder die das Spielzeug nicht geben, beendest du das Spiel und wendest dich ab. Versuche es in ein paar Augenblicken noch einmal. Spielen, rückwärts Weggehen, rufen (mit tollen Geräuschen), nach Spielzeug greifen, „Bring“ mit viel Freude. […]

 


 

 

Sollte irgendwann der Moment kommen, dass deine Schnüffelnase dir das Spielzeug gibt, wenn du danach greifst: Dann geht der Punk ab! Spiele sofort mit ihm weiter, feier ausgiebig den Erfolg und das tolle „Bring“!

 

Es braucht viel Geduld, einen langen Atem und noch mehr Ausdauer, bis das „Bring“ richtig sitzt und du es auf andere Objekte, Situationen und auch an verschiedenen Orten verwenden kannst. Aber deine Geduld wird sich lohnen!

Gib nicht auf und hab Spaß an der Übung, dein kleines Monster wird die Zeit genießen und dir irgendwann voller Freude alle zurückbringen was du geworfen oder verloren hast. Immerhin hat er gelernt dir zu vertrauen, dass du ihm seine Beute wieder geben wirst (oder einen Ersatz), es bei dir Spaß macht und dass du dann weiter spielen wirst, wenn das Objekt bei dir gelandet ist.

 

Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich auf Erzählungen und kleine Videos, wie es bei euch geklappt hat. 🙂

 

the small pack

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Bloggerin, Hundemama und kreativer Kopf

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