Erziehung und Training

“Hilfe, das Monster spinnt” – Die Junghundphase/Pubertät heil überstehen.

Gerade noch ist dein Hund ein Welpe und tappst neugierig durch die Welt; er jagt aufgeregt Blätter im Wind und lernt so schnell neue Dinge. Doch schon im nächsten Moment verhält sich dein bester Freund anders: Er knurrt plötzlich in Situationen wo er sonst noch nie ein Problem hatte, hat Angst vor den unterschiedlichsten Dingen, er hat ganz plötzlich ein Problem mit dem sonst so geliebten Nachbarn und Gassi gehen ist auch eher ein Spießrutenlauf, als gemeinsame entspannte Zeit. Andere Hunde werden gerne angepöbelt, er zieht an der Leine, knurrt dich vielleicht an und auch ansonsten scheint die ganze Erziehung der vergangenen Monate vergessen.

Die Junghundphase, die Pubertät, das Flegelalter, die Trotzphase und wie es noch genannt wird, hat begonnen. Es wird aufregend, anstrengend und unvergesslich für euch beide.

Es gibt keinen Stichtag.

Um dir die Angst, davor zu nehmen oder dich, falls es bei dir schon so weit ist, zu beruhigen: Es gibt keinen festen Tag im Leben eines Hundes, an dem er urplötzlich anfängt zu spinnen. So gibt es auch keinen Tag im Jahr, der meiner Meinung nach ein Feiertag sein sollte ;), an dem alle Junghunde wieder normal ticken und der Spuck vorbei ist.

Nein es ist vielmehr ein schleichender Prozess. Innerhalb von ein paar Wochen fängt dein tapsiger Liebling an, ein wenig kontrollierter zu werden und sich zum „Kind“ zu entwickeln. Das Baby ist kein Baby mehr. Nach dieser Phase kommen erneut ein paar Wochen in denen sich viel verändert. Dein kleiner Schatz entwickelt sich rasend schnell.

Nach der Sozialisationsphase und nach der Zeit in der die Rangordnung eine große Rolle spielt; sowie nach dem allgemeinen Kind sein, fängt die Zeit an vor der uns überall gewarnt wird. Pubertät. Wann das genau ist, kann man nur allgemein als Zeitraum angeben, aber nicht ein exaktes Alter vorher berechnen. (So schade das auch ist.)


Kurze Entwicklungsphasen-Lehrstunde.

Neonatale Phase (1. bis 2. Lebenswoche)

Die Augen und Ohren sind geschlossen. Der Welpe pendelt mit dem Kopf und schnüffelt dabei um die Zitzen du finden.

Übergangs Phase (3. Lebenswoche)

Der Welpe kann nun sehen und hören. Sich selbst warm halten und geht auf Erkundungstour.

Sensitive- oder Sensible Phase (kann in zwei Teile unterteilt werden)

Erster Teil: Sozialisation Phase (4. bis 14. Lebenswoche, auch länger möglich)

In dieser Zeit lernt der Mini viel zum Verhalten mit Artgenossen. Umweltreize und verschiedene Umgebungen werden aufgeschlossen erkundet. Jetzt kennengelernte Dinge sind später kein Problem. Auch lernt der Welpe in dieser Zeit schnell und besonders freudig.

Zweiter Teil: Juvenile Phase (7. Monat bis 12.Monat (Laut mehreren Quellen/Studien zieht sich die Phase auch gerne bis 1,5 vielleicht auch 2 Jahre.))

Hier beginnt der eigentliche Spaß. Der Welpe/Junghund entwickelt seine Persönlichkeit, testet Grenzen aus und ist auch gerne mal aufmüpfig.

Reifungs- und Adoleszenz Phase

Nachdem die Pubertät überstanden ist, ist der Hund nun ein junger Erwachsener.

So schön kann die Welpenzeit sein: Baldur und Phelan beim spielen, im Bett.

Vorbereitung auf die Schlacht.

Falls du kurz vor dieser spannenden *hüstel* Zeit stehst, hast du jetzt die Möglichkeit, euch auf das bevorstehende Chaos vorzubereiten. Ich möchte dir keine Angst machen, nicht jeder Hund verhält sich gleich intensiv in der Pubertät, aber irgendwie spinnen sie alle. (Ist das Gleiche, wie mit uns Menschen: Pickel, ne Zahnspange und das „Keep Out!“ Schild an der Zimmertür.)

Bei der Erziehung deines Welpen ist es egal ob du einen Schäferhund, eine französische Bulldogge oder einen Golden Retriever hast. Alle müssen sie als Minis Regeln und Grenzen lernen. Ich möchte dir damit sagen, dass du deinem Hundebaby schon in jungen Alter das verbieten solltest, was er auch später nicht dürfen wird: Hochspringen an Menschen, zu festes Beißen, an der Leine pöbeln oder nicht kommen, wenn du rufst. Die Liste kann noch viel länger ausfallen, aber dir ist klar, was ich meine.

Auch ist es jetzt schon wichtig, dem Welpen Kommandos beizubringen und ihm unmissverständlich zu zeigen, dass er es auch wirklich immer zu tun hat, wenn du es ihm sagst. Hierbei musst du nicht besonders streng oder hart sein, sondern konsequent und ruhig. Authentizität und Liebe sind die Schlüssel zum Erfolg.

In meinem Artikel „10 Tipps – Wie du mit deinem Hund erfolgreich trainieren und ihm neues beibringen kannst“ findest du eine Zusammenfassung zu Training und Erziehung. Zum Auffrischen, Erinnern oder zum Zeitvertreib.

(Sofern du doch schon alles weißt. :D).

Die Klassiker unter den Horrorgeschichten der Hundebesitzer mit Teenagern sind:

„Das konntest du doch schon.“ – Dein Hund kennt keines der gelernten Kommandos mehr und betreibt regelrechte Sabotage am gemeinsamen Zusammenleben.

„Das hat er noch nie gemacht.“ – Stubenreinheit oder keine Gegenstände kaputtmachen, sind Dinge die dein Hund anscheinend noch nie gehört hat.

„Er war vor paar Wochen noch so lieb.“ – An der Leine pöbeln/ziehen und Raufereien anzetteln sind die neuen Hobbys deine Teenagers.

Um an diesen neuen Attitüden nicht zu verzweifeln oder dem Wahnsinn anheimzufallen, musst du stark sein oder ab und zu ein Gläschen Wein genießen. 😉 (Yoga soll auch helfen, hat man mir gesagt.) Diese Zeit, in der ihr euch befindet, ist die Gelegenheit viel in der Erziehung und dem Training zu erreichen. Du bekommst so oft die Möglichkeit deinem Hund eine neue Grenze zu zeigen, sein Verhalten zu korrigieren oder ihm neues beizubringen. Nutze das, egal wann und wo.

Die Grundkommandos und die wichtigsten Alltagssituationen sind hier besonders wichtig. „Sitz“, „Platz“, „Bleib“, „Aus“ und „Hier“ sollten danach gut sitzen und immer funktionieren. Alleine bleiben, 100 % stubenrein sein (auch in trotzigen Momenten), an der Leine gut laufen und ein anständiges Sozialverhalten müssten auch nach dieser Zeit geklärt sein.

„Hilfe, das Monster spinnt!“

Bevor du dir nun Hoffnung machst, dass ich dir das Eine, funktionierende und ultimative Rezept zur Junghundeerziehung geben kann, musst du verstehen, dass nicht jeder Hund gleich ist.

Manche Hunde sind in dieser Zeit die reinsten Monster und treiben ihre Besitzer in den Wahnsinn. Nichts scheint zu helfen und es wirkt, als würde man versagen. Aber auch das geht vorbei. Nur nicht aufgeben und immer konsequent bleiben! Sonst nimmt das Pubertier dich nicht ernst und du kannst die weiße Fahne hissen.

Falls du an deine Grenzen kommst und nicht alleine mit der Urgewalt an Hormonen und Blödsinn zurechtkommst, suche dir Hilfe bei einem Hundeplatz oder einem professionellen (!) Hundetrainer. Es ist nicht schlimm zu verzweifeln oder Hilfe zu brauchen. Schlimm wäre es, wenn du aufgibst und dich nicht weiter bemühst einen tollen Hund zu erziehen.

Sollte dein kleiner Liebling jedoch nur ab und an etwas trotzig sein und ansonsten ist alles gut bei euch, gratuliere ich dir! Ihr beiden habt den Jackpot gezogen und ich wünsche dir viel Spaß mit deinem Liebling.

Das Einmal-Eins für Teenager.

Du wirst in den Monaten der juvenilen Phase des Öfteren Augenblicke erleben, in welchen du Handeln musst. Doch was ist zu tun, wenn der Junghund beißt/schnappt, knurrt, zetert oder nicht mehr hört?

Viele heikle Momente lassen sich lösen, indem du den „Druck“ aus der Situation nimmst. Dein Hund soll „Platz“ machen und weigert sich strikt? Versuch es kurz mit einer anderen Übung von der du weißt, dass sie funktionieren wird. Anstatt ein „Platz“ einzufordern, nimmst du deinen Hund ins „Fuß“ oder lässt ihn hinsitzen. Das belohnst du gebührend und fügst gleich das gewünschte Kommando an, der Erfolg wird dann mit Konfetti und Party gefeiert. Sollte sich dein Monsterchen immer noch sträuben, bleibe ruhig und gib ihm eine Hilfestellung um an das gewünschte Ziel zu kommen.

Manche Kommandos müssen noch mal gelernt werden, oder auch nur noch gefestigt werden. Sollte von heute auf morgen etwas nicht mehr funktionieren, gib nicht auf, fange erneut von Null an. In der Pubertät passiert so viel Aufregendes mit deinem kleinen Liebling, da kann das schon mal passieren.

Schwierigere Situationen können manchmal nicht ausgesessen oder mit weniger „Druck“ gelöst werden. Zeigt sich ein Moment, in dem du mit Liebe oder einem Neuanfang nicht weiter kommen kannst, solltest du niemals aufgeben oder dich zurückziehen und so deinen Hund „gewinnen“ lassen. Ich meine damit nicht, dass du immer strickt bestrafen sollst oder deinem Baby wehtun musst. Vielmehr möchte ich dir nahe legen, dass man nicht jedes Problem „weg lieben“ kann. Klare Ansagen, ein verdienter Ruck an der Leine oder auch eine plötzlich fliegende Küchenrolle sind des Öfteren ziemlich heilsam für bockige Allüren.


Wie bei jeder Geschichte gibt es in dieser Zeit Niederlagen, Neuanfänge, dramatische Wendungen und ein Happy End. Jedes kleine Monster hat es irgendwann geschafft und ist wieder ganz normal. 🙂

Ich wünsche dir und deinem Liebling also gutes Gelingen und freue mich auf die Geschichten, von den Pubertieren.

the small pack

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Bloggerin, Hundemama und kreativer Kopf

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