Futter und Leckereien

Fleisch, Innereien, Knochen und Knorpel in Hundefutter – Was genau und wovon?

Unsere Hunde (Canis lupus familiaris) sind für uns mehr als nur Fressmaschinen die alles verwerten, sie sind für uns mehr als nur ein Haus- oder Nutztier. Sie sind unsere „Donner Buddys“ beim Gassi gehen, unsere Weggefährten im Alltag und unsere besten Freunde in der Familie. Genau deswegen wollen wir alles es richtig machen, du doch auch. Du möchtest deinem kleinen Monster natürlich nur das Beste Füttern, die tollsten Spielsachen besorgen und nur das weichste Bettchen für den kleinen Schatz anschaffen. Um das mit dem Futter zu schaffen braucht es keinen Doktortitel, keine 15 Ratgeber und auch keine Expertenrunden auf der heimischen Gassi Strecke. Es braucht nur Wissen. Wissen zu deinem Hund und dessen Ernährung.

 

Dein Canis lupus familiaris, dessen Stammform und Vorfahre der Wolf ist, liegt vermutlich gerade auf dem Sofa neben dir, während du anfängst diesen Artikel zu lesen und putzt vielleicht lautstark seine Pfoten. Dieses liebenswerte und treue Ding, das total gerne Kauknochen vernichtet und sich auch mal in Schafkacke wälzt. Genau diesen Hund meine ich. Dieser Hund ist ein Carni Omnivor. Ein Fleisch- und teils Allesfresser. Schon die Anordnung, der Begriffe, in der Bezeichnung sagt genügend aus. Dein Schnuffel frisst vorwiegend Fleisch und Innereien. Klar auch Blut, Knochen, Knorpel und Fell aber das wäre für meinen Artikeltitel zu lang gewesen. 😉

 

 

Nachdem das geklärt ist, ist es nicht mehr so kompliziert, oder doch?

 

Hunde wollen, laut mancher Futterhersteller, nur das tollste, frischeste und reichhaltigste Fleisch und fressen auch nur diese exklusive Premiumqualität aus der Dose oder dem Beutel. Geht man in ein „Tierfachgeschäft“ kann man auf jeder zweiten Packung so Hochglanz Sätze lesen wie: „Extra hoher Fleischanteil.“ Oder „Premium Class Protein.“. Leider hat mir noch keiner ein Statement dazu abgeben können wo der Unterschied zwischen einem schönen Stück Fleisch vom Metzger und dem Premium „super-sonder-spezial“ Protein im angepriesenen Futter ist. Mich würde das wirklich interessieren. Vielleicht steigt die Qualität von Huhn, wenn es hydrolysiert, zermahlen und gepresst wird? 😉

 

Kurzes Hintergrundwissen:

Hydrolisieren ist eine Form der Vorverdauung von Protein. Dadurch wird das Protein im Verdauungstrakt leichter aufgenommen. Welches Protein es genau ist, muss der Hersteller nicht angeben. D. h. es könnten auch Federn, Krallen und Schnäbel sein. Aber es ist „irgendwie“ Protein. *uärgs*

Leider ist genau das ein Problem. Das Fleisch in Hundefutter ist oft ein Brei, der nicht mehr viel mit Fleisch zu tun hat. Gruselig, schade und ein bisschen ekelig ist das schon, aber offen aussprechen sollte es jemand.

Jetzt ist aber genug von den Horrorgeschichten: Ich möchte also schnell die Kurve nehmen und über Fleisch und Innereien sprechen.

 

 

Was ich oft vermisse ist der geile Sche*ß.

 

Leider verschwinden Innereien und Blut immer mehr aus unseren Kochbücher, Küchen und Köpfen. Es geht das Gerücht um, dass einige es ekelig finden und unhygienisch. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Auf dem Speiseplan eines Hundes stehen Blättermagen, Pansen, Leder und Blut ganz weit oben.

 

Wenn dein Hund könnte, würde er dir eine WhatsApp schreiben und fragen wann du mal wieder das gute Zeug nach Hause bringst.

 

 

Die drei Credos des Barfen sind Leber, Blut und Ei.

 

Wieso ist das dann nicht im Fertigfutter auch so? Die Leber liefert ein Festmahl an Nährstoffen und geht dabei Hand in Hand mit Blut. Eier haben ebenfalls einiges unter der Schale und auch in der Schale.

Leber hat alles, also fast alles: Protein, Fette, Natrium, Kalium, Vitamine, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das spricht Bände. Blut ist genauso ein Wundermittel, nicht nur das es Leben pur ist, es ist auch reichhaltig an Vitaminen, Mineralien und auch Spurenelementen.

Leber hat allerdings auch sehr viel Glykogen. Das kann nur schwer abgebaut werden. Zuviel Vitamin A, was das super Organ auch reichlich beinhaltet, kann die Haut schädigen und auch zu Haarausfall und Erbrechen führen. Leber sollte also, auch wenn sie so toll ist, nicht zu viel gefüttert werden. Einmal in der Woche reicht völlig.

 

 

 

Darf ich vorstellen? Das richtig geile Zeug:

Pansen, Blättermagen und das auch noch matschig und duftend.

 

Pansen und Blättermagen werden in Hundefutter immer populärer, man sieht sie immer häufiger auf Zutatenlisten und liest allerhand über die bomben Innereien. In den liebevoll polierten Kühltheken in Tierfachgeschäften liegen hübsche quadratische Päckchen wo man die Zutaten durch die Plastikfolien bestaunen kann. Auf den Etiketten ist ein debil grinsender Labrador abgebildet und die Hersteller haben so tolle Namen wie „XXX-Cuisine“ und „Land-XXX“. Ob jetzt Cuisine oder Küche schöner klingt, brauch ich nicht fragen. Aber auffällig ist es schon, dass Hersteller uns versuchen mit so melodischen Namen zu ködern oder? Denn wenn man dann mal so eine Packung auftaut verändert sich nicht nur die, zuvor im Kühlfach, sehr sauber wirkende Farbe. Nein das Ganze bekommt auch eine eher schlabbrige und flutschige Konsistenz. Aber der Spaß fängt erst dann an, wenn man die Packung öffnet.

 


Kennst du YouTube Videos in denen Väter würgend und schimpfend ihren Säuglingen die Windeln wechseln und im Hintergrund eine sich zu Tode kichernde Mama zu hören ist? Mit Gasmasken, Taschentüchern vor der Nase und Pinzetten wird die „Mission Impossible“ durchgeführt. 😀

Ungefähr so sah Matze aus, als er das erste Mal Pansen (und zwar den frischen) in unserer Küchen in einer Schüssel umgerührt hatte. Rülpsend und fluchend stand ein erwachsener Mann in der Küche und rührte in Innereien, während hinter ihm, damals zwei, unsere Hunde wedelnd und sabbernd standen. -> ein unbezahlbarer Anblick, mit unvergesslicher musikalischer Untermalung. XD


 

Du verstehst nun sicher was ich mit geilem Sche*ß meine, aber wieso ist das „Zeug“ so wichtig für unsere Haus-, Hof- und Wiesenkläffer? Ganz einfache Antwort: Nährstoffe.

Pansen und Blättermagen sind fettarm aber dafür schwer beladen mit Mineralien und Vitaminen. Sofern es dir nichts ausmacht, ist es nicht so dramatisch, wie ich erzählt habe. Es duftet zwar unvergleichlich und ist nicht jedermanns Sache, aber man kann es durchaus ertragen und tut damit seinem Kleinen Monster etwas Gutes.

 

 

Nach schlabbrigen Pansen und blutigen Tatsachen: Endlich Fleisch!

 

Du denkst dir jetzt: „Da schreibt die Tante jetzt einen halben Artikel ausführlich über schnodderige Innereien und erklärt mir, wie super das ist. Aber wann kommen wir endlich zum Fleisch?“ – Na jetzt!

Aber Fleisch ist nicht gleich Fleisch. Das hübsche und saubere Stück Eisbein oder Steak aus der Theke vom Metzger würde dein Hund natürlich fressen und dich dabei für einen kurzen Moment glücklich an schmatzen, um dann gleich wieder in seiner Schüssel auf Tauchstation zu gehen. Aber von diesem Fleisch rede ich nicht.

Ich meine eine Mischung aus Muskelgewebe, Gewebe mit Fett, Bindegewebe aber auch sehnige Teile. Einen Hund kann man zwar nur mit Muskelgewebe füttern und es liefert auch ordentlich Protein, um aber ausgewogen in der Ernährung zu bleiben, sollte es eine Mischung aus Fleischsorten sein. So hat die Mahlzeit einerseits unterschiedliche Konsistenten, aber auch ein größeres Angebot an Nährstoffen und nicht zu vergessen das tolle Fett. 😉

 

 

Um natürlich auch dieses kleine Thema kurz an zu schneiden: Fisch ist auch Fleisch! Forellen zum Beispiel. An Forellen kommt man immer günstig ran, da es ein heimischer Fisch ist. Wenn du an der See wohnst, hast du es natürlich noch einfacher an guten und günstigen Fisch zu kommen. Falls dein Liebling und du eher im Inland lebt, sind kleine Fischteiche, Fischer an größeren Flüssen und natürlich Märkte eher eure Einkaufsmöglichkeiten dafür.

 

Taschenrechner und Küchenwaage bereit?

Wie viel Fleisch und Innereien braucht ein Hund? Wie berechne ich die Menge selbst? Ist in meinem Futter genügen Fleisch drin? Hat das Futter ausreichend Innereien zugefügt? Wenn man bei Google „“ eingibt, bekommt man folgendes Angebot ab Webseiten:

 

 

Barfrechner, Barfrechner kostenlos, Barf Speiseplan … Was soll denn das? Ich möchte doch nur wissen, wie viel mein Hund wirklich braucht. Vielleicht um mein Fertigfutter unter die Lupe zu nehmen oder um meine Mengen für das „selbst Zusammengestellte“ Menü zu berechnen.

 

Man muss dann doch etwas genauer suchen und dann, dann wird schnell aus: „Ich google das Mal.“, ein frustriertes: „Ach, vergiss es. Ich kaufe den Ratgeber.“

 

Außer du bist hartnäckig und hast es dir wirklich in den Kopf gesetzt, deine Informationen selbst zu suchen und zu verstehen. Dann besuchst du viele Webseiten, Blogs und Foren und liest dich in das Thema ein. (So habe ich das jahrelang gemacht. Den Blog oder auch Webseite: barfinfo.de kann ich empfehlen, dort findet man super Infos rund ums Barfen.) Dazu kann man auch Schulungen und Vorträge besuchen und sich so weiter bilden.

Ich verrate dir aber jetzt ein Geheimnis: So schwer ist es wirklich nicht.

Ich habe unzählige Stunden für Recherche geopfert, Geld für Schulungen ausgegeben und mir in Vorträgen den Po platt gedrückt und bin zu einem Ergebnis gekommen: Wenn man einfach nur wissen will, wie das mit dem Hundefutter funktioniert, möchte erst einmal nur Zahlen und das rohe Wissen haben. Keine komplizierten Nährwert- und Kalorientabellen. Nicht einen Doktortitel über den Stoffwechsel von Hunden ablegen und auch nicht, wie ich, seine komplette Freizeit für Hundeernährung und -themen verwenden. (Natürlich habe ich auch andere Hobbys. Ich übertreibe manchmal ein wenig.)

 

 

Also hier das geballte Wissen, die Quintessenz und die nackte Zahlenwahrheit, auf die du gewartet hast:

 

2 % des Gewichts deines Hundes = die komplette Menge Futter, die er am Tag ca. fressen sollte, wenn dein Hund selbst zubereitetes Futter bekommt. Bei Fertigfutter ist das natürlich etwas anders.

Von dieser Menge sind 80 % tierischer Anteil und 20 % pflanzlicher Anteil.

Der tierische Anteil setzt sich aus Fleisch, Innereien, Knochen, Blut und Knorpel zusammen. Der pflanzliche Anteil ist dann reine Formsache. Aus meinem Artikel: „Gemüse, Obst und Kräuter im Hundefutter“ weißt du darüber ja schon alles.

Ca. 85 % Fleisch (Auch Fisch. :D)

Ca. 15 % Innereien, Blut, Knochen und Knorpel (Die 15 % sollten wegen einer Über- oder Unterversorgung an Nährstoffen sind zu stark abweichen.)


Diese Mengen kann man aber auch ganz leicht auf ein Fertigfutter ummünzen um rauszufinden, ob das Futter etwas taugt.

Angenommen dein Hund soll, laut Fütterungsempfehlung vom Hersteller, 300 g Trockenfutter am Tag bekommen. Dann sollten 240 g tierischer Anteil und 60 g pflanzlich sein. Von den 240 g tierischen Anteils, sollten es also ungefähr 204 g Fleisch etc. sein und ca. 36 g Innereien, Knochen usw. Kann dein Trocken- oder Nassfutter einigermaßen oder sogar ganz erfüllen, hast du einen Jackpot in hübscher Verpackung Zuhause stehen. *jipie*

 


Kleines Hintergrundwissen:

Muskelfleisch hat etwas 20-25 % Protein. Innereien die viel Bindegewebe haben, wie Pansen, haben etwa 12-18 % Protein. Zu fettarm Füttern kann die Nieren schädigen. Deswegen auf den Fettgehalt vom Fleisch achten.

Durchwachsenes Fleisch: Ca. 12-15 % Fett; empfohlene Fettmenge Futter: Ca. 15-25 %

Es müsste also Fette und Öle zugefügt werden. Mehr dazu im Artikel. „Mineralien, Öle und Zusätze

 

 

Wenn es richtig schön knurpselt, gibt’s Knochen und Knorpel.

 

Das Geräusch von einem knuspernden Hund der sich gerade über ein paar Knorpel oder Knochen her macht ist etwas Schönes, findest du nicht? Es klingt nach Spaß, nach lecker und nach Natur. Einfach nur schön. Bei Fertigfutter hat man dieses Geräusch nicht, aber drin sollten Knochen und Knorpel sein. Immerhin sind sie so wichtig.

Knorpel wird gerne als Kalziumlieferant angepriesen, was aber nicht der Fall ist. Knorpel beinhalten im Vergleich zu Pansen oder Milchprodukten deutlich weniger Kalzium, aber lustig ist es trotzdem sie zu zerknacken. 😉 Bei Knochen sieht das dann schon anders aus. Knochenmark ist einerseits Lecker und bei hellem Mark sogar superfettig, andererseits liefert es viele tolle Nährstoffe. Der Knochen selbst, der hat Kalzium, und zwar ziemlich.

Füttert man ausschließlich Knorpel, braucht der Hund noch zusätzlich Kalzium. Wenn man „massive“ Knochen füttert, eher nicht.

 

Aber Knochen ist nicht gleich Knochen!

Knochen (fleischige Knochen) sollten, wenn nur roh gefüttert werden, da sie beim Kochen Unmengen an Nährstoffen verlieren und gefährlich werden. Gekochte Knochen splittern und können deinen haarigen Schatz verletzten. Also Knochen wenn dann nur roh füttern. Fleischige Knochen schreibe ich extra, da man auch keine tragenden Knochen füttern sollte. Sie sind schlicht zu hart und ungeeignet. Rippen, Wirbelsäule (Knorpel) oder Brustbein (Knorpel), sind ganz tolle Knochen und Knorpel.

Knochen grob wolfen/zerkleinern und dann ins Futter. Da knuspert es schön beim Abendessen. Zum nagen und kauen kann man gerne Unterschenkel anbieten. Der ein oder andere Hund verfällt beim Kauen auf einem Knochen in eine Art Meditation und bekommt so einen ganz entspannten und schielenden Gesichtsausdruck; noch besser kann er nicht zeigen, dass es ihm schmeckt und Spaß macht.

 


 

Oben habe ich „ca. 15 % Innereien, Blut, Knochen und Knorpel“ erwähnt. Um den genauen Anteil an Knochen und Knorpel zu berechnen, solltest du vorher den Tagesbedarf an Kalzium deines Hundes kennen. Mehr dazu im Artikel. „Mineralien, Öle und Zusätze

Zusatz hier: Man geht von 50-80 mg Kalzium pro Kilo aus. Je nach Alter und Bedarf. Ich nehme grundsätzlich 80 mg beim Rechnen, da es natürlich auch mal weniger Kalzium gibt (weniger Knochen, Eierschalen etc.). Angenommen dein Hund wiegt 30 kg und hat keine besonderen Bedürfnisse oder Krankheiten: 30 kg Hund x 80 mg = 2400 mg = ca. 2,4 g pro Tag. Tadaa, der Kalziumbedarf ist berechnet und es hat keine wehgetan.

 

Hier bekommst du noch mal einen Überblick:

 

 

Und zum Schluss noch ein Link, den ich super finde:

Die Seite www.deine-tierwelt.de/magazin/hundefutter-lexikon/ ist eine meiner liebsten, wenn es um Nährstoffe geht. Das kleine Lexikon dort rettet mir noch heute den Po, wenn ich etwas nicht weiß oder mir unsicher bin.

Ich bedanke mich für deine Zeit und deine Geduld. Falls du bist zum Schluss durchgehalten hast, kannst du nun mit dem Taschenrechner losziehen und Hundefutter genauer unter die Lupe nehmen.

 


 

„Klugscheißer mag keiner!“, sagt man zumindest. Aber wenn es um unsere Hunde geht, ist ein Wissen wichtig. So viele Ammenmärchen und Horrorgeschichten, zu viele Fehlinformationen und noch viel mehr „Hören-Sagen“, verwirren gerade Hundebesitzer die am Anfang stehen. Das muss nicht sein.

Ich wünsche dir und deinem Canis lupus familiaris tolles Futter, gutes Fleisch und richtig schön matschige Erlebnisse.

 

 

the small pack

 

 

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Bloggerin, Hundemama und kreativer Kopf

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